Angst

Dipl.-Päd. Christian Kabsch | Heilpraktiker für Psychotherapie

Angst

Angst ist zunächst prinzipiell etwas sehr Positives. Sie schützt uns vor realen Gefahren und kann uns das Leben retten. Würden wir beispielsweise ohne jegliches Gefühl von Angst im Straßenverkehr unterwegs sein, wäre die Gefahr recht groß, dass es zu einem Unfall kommt. Sehr belastend wird die Angst, wenn sie in Situationen entsteht, die eigentlich ungefährlich sind, und dadurch den Betroffenen in seiner Freiheit einschränken. Dann ist es sehr beengend, wenn die Situation als unangenehm erlebt und von der Angst dominiert wird.

Wie entsteht eine „Angststörung“?

Gründe für belastende Furcht und Sorgen können persönliche Erfahrungen sein oder Erlebnisse, die starke Ängste ausgelöst haben und nicht verarbeitet werden konnten. Das kann sowohl während der frühen Kindheit, der Jugend, als auch im Erwachsenenalter gewesen sein. Meistens fand irgendwann im Leben bewusst oder unbewusst eine oder mehrere Situationen statt, die Angst und Unsicherheit ausgelöst haben. Eine Situation, in der wir nicht entsprechend unserem natürlichen Bedürfnis nach Sicherheit handeln konnten. Aber auch von den eigenen Eltern oder anderen nahe stehenden Menschen wurde manchmal eine ausgeprägte Ängstlichkeit oder Vorsicht „vorgelebt“. Man kann Ängste demnach auch „lernen“, bzw. von anderen Menschen bewusst oder unbewusst übernehmen.

Angst erhöht unseren Stresspegel, wodurch wir aufmerksamer für uns selbst und unsere Umwelt werden. Wenn der Stresspegel zu hoch wird, kommen wir in eine erhöhte innere Anspannung. Das wird auf Dauer sehr anstrengend. Diese zu hohe Anspannung kann dann genau das Gegenteil einer schützenden Funktion bewirken. Wir können mit unserer Aufmerksamkeit so sehr von der Angst vereinnahmt werden, dass wir die momentane Situation verzerrt wahrnehmen. Wir werden dann umso unachtsamer und auch ohnmächtiger. Dadurch kann genau das eintreffen, was wir eigentlich abwenden wollten. Unglücklicherweise erleben wir dann eine Bestätigung der Angst, d.h. die befürchtete Gefahr bewahrheitet sich. Fazit ist, dass sich unsere Angst und Anspannung erhöht. Das führt zu einem Kreislauf, der Angst, Befürchtungen und Anspannung zunehmen lässt. Irgendwann kann es dazu führen, dass gar keine reale angstauslösende Situation mehr vorhanden sein muss. Allein die Angst vor der Angst legt uns gewissermaßen „scheinbar schützend“ schon „präventiv in Ketten“. Dann können wir uns wie gefangen fühlen und nicht mehr frei und entspannt das Leben genießen.

Angst vor der Angst

Vor allem dann, wenn wir nicht oder zu wenig erleben konnten, dass die Angst sich wieder auflöst, wirkt Angst äußerst bedrohlich. Oder auch wenn wir nicht oder zu wenig erlebt haben, dass wir die Situation wieder in den Griff bekommen. Therapeutisch ist es ein ganz wichtiger Schritt, wieder erleben zu können, die Situation oder die eigenen Gefühle selbst steuern zu können und eben nicht ausgeliefert und ohnmächtig zu sein. Ziel ist es also, sich selbst wieder einen „Freiraum“ zu schaffen zu können.

Formen von Ängsten

Prinzipiell kann man in allen Lebensbereichen eine als Belastung empfundene Angst entwickeln. Manche Menschen erleben Angst gewissermaßen als „Grundstimmung“, die sie tagtäglich begleitet. Häufige Sorgen um die eigene persönliche oder berufliche Zukunft oder auch um nahe stehende Menschen. Ebenso können sich Ängste in Bezug auf spezifische Lebensbereiche oder Situationen entwickeln. Das kann die Angst vor Menschen im Allgemeinen sein, vor großen Menschenmengen oder vor anderen Menschen zu sprechen. Auch die Angst vor großen Plätzen, wie auch vor engen Räumen oder vor Reisen sind keine Seltenheit. Ebenso die Angst vor bestimmten Tieren, vor Krankheiten, in Form von Alpträumen u.v.m. können uns sehr beeinträchtigen. Auch Panikattacken sind sehr verbreitet. Hier sind die Ursachen für die Betroffenen manchmal sehr eindeutig, manchmal aber auch sehr schwer zu finden. Panikattacken entstehen teilweise auch sehr überraschend in Momenten, in denen man sich eigentlich entspannt fühlt. Oft sind Panikattacken ein Resultat von Überforderung. Nicht zuletzt ist auch die Angst vor dem Tod ein sehr existenzielles menschliches Thema.

Therapie von Angststörungen und Phobien

Eine Angststörung oder Phobie lässt sich therapeutisch gut behandeln. Das heißt, es ist gut möglich, sich von beengenden Ängsten zu befreien! Zum Einen kann es sehr hilfeich sein, zu wissen, dass prinzipiell keine Gefahr besteht, jedoch unser Organismus durch seine Erfahrungen eine Gefahr „wittert“ und dann eine innere „Sicherheitsdynamik“ in Gang gesetzt wird. Zum Anderen können durch eine Psychotherapie Verletzungen heilen, wodurch wieder ein inneres Selbstvertrauen wachsen kann und man wieder die Erfahrung macht, die Situation steuern zu können – also nicht mehr ohnmächtig ausgeliefert ist.

Speziell zum Umgang mit Panikattacken gibt es zahlreiche wirksame Selbststeuerungsübungen, durch die man die akute Panik selbst reduzieren kann.